Kommentar zum Fujara-Solo-Konzert [I]

Ein ganz extravagantes Musikinstrument ist es, von dem Marco Trochelmann Fasziniert ist und für das er mit seinem Spiel die Hörer zu begeistern weiß: Die Fujara, ein slowakisches Volksinstrument, dessen Klangmöglichkeiten und Spieltechniken er sich selbständig erarbeitet hat. Den Tonreichtum dieses Blockflöteninstruments, der auf den Überblasmöglichkeiten weniger Grundtöne beruht, weiß er zudem mit einer so nuancenreichen Farbskala auszustatten, dass er sein Publikum einen ganzen Abend lang mit den Klängen nur dieses einen Instruments zu fesseln vermag. Die Faszination seines Spiels verdankt sich aber nicht nur der Darstellung instrumentenspezifischer Hirtenmelodien, sondern ebenso der Klangvielfalt seiner Interpretationen älterer Musik, die er für sein Instrument bearbeitet, wie etwa die mittelalterliche Musik einer Hildegard von Bingen, deren motivischer Variantenreichtum durch die klanglichen Facetten seiner Wiedergabe belebt und verdeutlicht wird. Von besonderem Reiz sind seine eigenen, aus der Improvisation entstandenen „Ton-Miniaturen“ und „Innovationen“, kleine Charakterstücke ganz unterschiedlicher Prägung, vielgestaltig und nuancenreich, die Trochelmann mit seiner ausgefeilten Spiel- und sensiblen Anblastechnik so plastisch zu gestalten und variabel darzustellen weiß, dass der Hörer immer wieder überrascht ist, aufhorcht und sich sogleich über das nächste Aperçu freuen kann. Seine Konzerte und Einspielungen unterhalten nicht nur, sie bezaubern durch die Fülle an geistreichen Einfällen, den Facettenreichtum der klanglichen Darstellung und Instrument zu entlocken weiß.

Ingeborg Pfingsten


(Ingeborg Pfingsten war bis 2008 Professorin für Musikwissenschaft und Musiktheorie an der Universität der Künste in Berlin)



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